Die Sanierung des Schloss­turms

Von der baulichen Instandsetzung bis zur Neugestaltung der heutigen Schlosskrone.

Hintergründe und Zielsetzung

Umfassende Instandsetzung und Neuerschließung

Die Arbeiten am Schlossturm umfassten weit mehr als die reine Instandsetzung eines historischen Bauwerks. Während der Planung und Umsetzung mussten bauhistorische, archäologische, technische und gestalterische Fragestellungen gleichermaßen berücksichtigt werden. Die folgenden Abschnitte geben Einblicke in die Hintergründe der Maßnahme, die Entwicklung des Turms und die Entscheidungen, die seine heutige Gestalt prägen.

Ausgangslage und Planungsgrundlagen der Sanierung

Der historische Turm des Stadtschlosses wies um 2015 erhebliche bautechnische Mängel auf und musste grundsaniert werden. Für die Maßnahme bedurfte es insgesamt vielfältiger Untersuchungen, Gutachten und langwieriger Abstimmungen zwischen den zuständigen Fachbehörden.

Als Teil der Fuldaer Museen soll der sanierte Schlossturm von der Kaisersaalterrasse bis nach ganz oben seine heterogene Baugeschichte durch eine neue museale Einrichtung erzählen. Architektur und Material der verschiedenen Epochen werden im Inneren erleb- und ablesbar. Für die äußere Gestalt gilt dies gleichermaßen: Vom ehemaligen Stadtgraben, in den die Fäkalien des Hofstaats eingeleitet wurden, bis zum das Stadtbild dominierende Turmdach mussten im Entwurfsprozess Aussagen zu allen architektonischen Elementen getroffen werden.

Erschließung und barrierefreie Zugänglichkeit

Ziel der Maßnahme war neben der Instandsetzung und der geschichtlichen Aufarbeitung des historischen Turms der Einbau eines Aufzugs zur Erschließung einzelner Etagen des Schlosses mit ergänzender Treppenanlage zur Aussichtsplattform auf dem Turm. Dazu war es erforderlich, das vorhandene Treppenhaus aus Stahlbeton rückzubauen.

Künftig kann durch die Öffnung des unteren Abschnitts der mittelalterliche Turm noch besser erlebt werden.

Kupferstich des Fuldaer Stadtschlosses von Johann H. Salver um 1729

Baugeschichtliche Entwicklung des Turms

Die ältesten Teile, die bei den archäologischen Erkundungsgrabungen zu Tage traten, sind die des ehemaligen Bergfrieds der mittelalterlichen Abtsburg, die ab ca. 1300 er-richtet wurden. Der erste Turm verfügte über einen Treppengiebel und ein Satteldach.

Auf den mittelalterlichen Turm wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein oktogonaler Renaissance-Turm mit neuem geschwungenem Holzdach aufgesetzt. Dieser Turm war durch die neue Höhe weithin sichtbar und blieb fester Bestandteil des Schlosses bei der Barockisierung um 1700.

Erst Ende des 18. Jahrhunderts ging das Dach verloren. Im Zuge der Sanierungs- und Rekonstruktionsarbeiten zum Schlossgarten wurde auch die Frage erörtert, inwieweit der Turm in seine originale Gestalt gebracht werden müsste. Nach zahlreichen Gutachten, Diskussionen und Bewertungen kam eine Stahlkonstruktion zur Ausführung, die an das ursprüngliche Dach und die eigentliche Höhe des Turms erinnert.

Herleitung der Turmproportion

Die anzunehmende Proportion der Konstruktion geht von der in der Renaissance verwendeten Proportionsgebung, dem sog. „goldenen Schnitt“ aus. Aus der Proportionslehre der Renaissance und den vorliegenden Darstellungen ließ sich abstrahierend die Außenkontur einer Renaissancehaube für die sog. „Stadtkrone“ ableiten.