Das Stadt­schloss

Von der Mittelalterlichen Burg zum Barockschloss

Die Anfänge der Abtsburg in Fulda

Von der Residenz der Äbte zum kulturellen Erbe

Bereits vor der ersten nachweisbaren Abtsburg könnte es eine Burganlage in Fulda gegeben haben. Die Bauforschung vermutet dies spätestens für das 12. Jahrhundert. Abbildungen der Burganlage sind nicht existent, eine mögliche Gestalt der Burg lässt sich auf Basis der Ergebnisse von Innenhofgrabungen im heutigen Stadtschloss jedoch erarbeiten. Die Existenz dieser älteren Burganlage könnte auch erklären, warum bei dem Bau der ersten Abtsburg von „Nuwenburg“, also einer neuen Burg, gesprochen wurde.

Virtualisierung der möglichen mittelalterlichen Burg in Fulda um 1260.
Quelle: Reunion Media

Errichtung der Abtsburg

Ende des 13. Jahrhunderts wird schließlich an der Stelle des heutigen Stadtschlosses eine Abtsburg errichtet. Der Auftrag dazu kommt 1294 vom damaligen Fürstabt Heinrich V. von Weilnau (Regierungszeit 1288 – 1313). Als Abt ist er Vorsteher des Benediktinerklosters, das seit dem Jahr 744 in Fulda existiert. Da die Äbte des Fuldaer Klosters im Jahr 1170 zu Reichsfürsten des Heiligen Römischen Reichs erhoben worden sind, liegt bei ihm auch die Herrschaft über die Stadt Fulda.

Indem Heinrich V. von Weilnau die Abtsburg außerhalb des Abteigeländes bauen lässt, trennt er sich räumlich von dem Kloster und festigt seine Stellung als Landesherr. Neben der repräsentativen Funktion als Sitz des Landesherrn besitzt die Burg auch eine militärische Funktion. Auf einer Anhöhe zwischen Kloster und Stadt liegend, kann sie beide Bereiche gut kontrollieren. Ausgestattet mit Mauern, Türmen und Gräben bildet die viereckige Anlage einen Teil der Stadtmauer und ist gleichzeitig nach außen gegen Stadt und Kloster geschützt.

Beschädigung im Jahr 1331

Im Jahr 1331 wird die Burg bei einem Bürgeraufstand beschädigt. Bei den bis 1335 andauernden Reparaturarbeiten wird der Burganlage ein neuer Hauptturm, der Bergfried, hinzugefügt.

Virtualisierung der Abtsburg um 1450.
Quelle: Reunion Media

Renaissance-Schloss

Unter Fürstabt Johann Friedrich von Schwalbach wird die Burg am Ende der Renaissance in ein Schloss umgebaut. Damit verringert sich der Wehrcharakter der Anlage, ihre repräsentative Funktion tritt in den Vordergrund. Der Ausbau der Schlossanlage beginnt im Jahr 1607 und dauert bis 1612 an. Es entsteht eine Vierflügelanlage mit je drei Geschossen um einen geschlossen Innenhof herum.

Virtualisierung des Renaissance-Schloss um 1669.
Quelle: Reunion Media

Barock-Schloss

Anfang des 18. Jahrhunderts wird die Schlossanlage im Stil des Barock umgestaltet. Im Auftrag des Fürstabts Adalbert I. von Schleifras erweitert der Baumeister Johann Dientzenhofer von 1708 bis 1719 die bestehende Vierflügelanlage um einen Ehrenhof. Gleichzeitig werden mit dem Marstall im Osten umfangreiche Lager- und Wirtschaftsräume an das Schloss angefügt. Dabei werden die letzten Elemente der ursprünglichen Wehrfunktion beseitigt.

1802 lässt Napoleon Bonaparte mit dem sogenannten Reichsdeputationshauptschluss die geistlichen Territorien des seit dem Ende des 15. Jahrhunderts bestehenden Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, dem Herrschaftsgebiet der römisch-deutschen Kaiser, auflösen. Mit der staatlichen Einziehung und Nutzung kirchlicher Besitztümer Anfang des 19. Jahrhunderts geht die Verwaltung der Provinz Fulda von den Fürstbischöfen zunächst auf Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau über und später auf das Kurfürstentum Hessen, wo es vorübergehend als Residenz des Kurprinzen dient.

Das barocke Fuldaer Stadtschloss Mitte des 18. Jahrhunderts.
Quelle: Reunion Media

Das Stadtschloss heute

Seit 1894 ist das Schloss im Besitz der Stadt Fulda. Heute dient es als Sitz der Stadtverwaltung Fuldas. Ein Teil der historischen Räumlichkeiten ist u. a. mit einer umfangreichen Sammlung Fuldaer Porzellans für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Keller des nördlichen Ehrenhofflügels ist außerdem ein kleines Fastnachtsmuseum untergebracht.

Zeitlicher Überblick

Grabungen im Schlosshof 2022

Im Fuldaer Schlosshof fand man Überreste der alten Anlagen